Süddeutsche vom 7. November 2025: So soll Münchens Altstadt in Zukunft aussehen (Verkehrskonzepte für die Stadt)

Mehr Grün, breitere Fußgängerwege, Kennzeichenerfassung und Parkplätze, die nach und nach von der Oberfläche verschwinden – das Rathaus befasst sich mit einem neuen Konzept für Münchens Mitte. Natürlich lässt die Kritik nicht lange auf sich warten.

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Der kleine Platz „Am Kosttor“ ist so ein Beispiel, wie sich das Münchner Mobilitätsreferat den neuen Look der Altstadt vorstellt. Hier, im Graggenauer Viertel südlich der Maximilianstraße, gibt es zwar bereits ein paar Bäume. Doch außen herum stehen und fahren: Autos. Das soll sich mit dem neuen Konzept einer verkehrsberuhigten Altstadt ändern. Der Platz soll noch grüner werden, Fußgänger und spielende Kinder sollen mehr Raum bekommen, Autos dafür weniger.

…Weil der Terminus „verkehrsberuhigt“ sich zu kategorisch nach „Autos raus“ anhört, heißt das Konzept nun „Altstadt für alle“…….

 

..Das Mobilitätsreferat hat vom Münchner Planungsbüro USP Projekte und dem Kopenhagener Büro Gehl Architects einen Plan erarbeiten lassen, den diese bereits vor einem Jahr vorgestellt haben. Am kommenden Mittwoch soll nun der Mobilitätsausschuss des Stadtrats einen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung der Altstadt treffen.

…Die Straßen im Zentrum sollen zudem in vier verschiedene Kategorien aufgeteilt werden. Da wären erstens die „Stadtstraßen“, die als Zufahrt der öffentlichen Parkgaragen dienen, hier soll maximal Tempo 30 gelten, umgesetzt werden könnte das am Oberanger oder in der Maximilianstraße. Umliegende Verkehrswege sollen teilweise zur „Altstadtstraße“ umgewidmet werden. Hier sollen nur noch Anlieger mit maximal Tempo 20 unterwegs sein dürfen…..

 

…Eine echte Neuerung wären die „Fußgängerzonen mit Kommunaltrasse“, auf denen nur noch Passanten flanieren und öffentlicher Nahverkehr sowie Fahrräder fahren dürfen.

..Die Bürgerinitiative (BI) Altstadt begrüßt unter anderem zwar ausdrücklich, dass sich das Mobilitätsreferat von der Idee verabschiedet hat, die Altstadt in „Kammern“ einzuteilen, die nur noch von bestimmten Richtungen befahrbar gewesen wären, den Durchgangsverkehr aber ausgebremst hätten. Weiterhin befürwortet sie, dass die Stadt die Möglichkeit einer digitalen Einfahrtskontrolle prüfen will. Vorbild wäre die Kennzeichenerfassung wie in italienischen Städten, doch das ist derzeit datenschutzrechtlich noch nicht möglich.

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„Die Beschlussvorlage in ihrer bisherigen Form nimmt den Altstädtern nicht die Sorge, dass die geplante Umgestaltung nur auf eine ‚Altstadt für alle Fußgänger‘ hinausläuft, also im Ergebnis wieder eine riesige Gehzone, die der Innenstadt irreparable Schäden zufügt und im Umbau enorm teuer ist“, heißt es in der Stellungnahme der BI.
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von Andreas Schubert

Foto: Das Kosttor nahe der Maximilianstraße: Der Platz soll noch grüner werden, Fußgänger und spielende Kinder sollen mehr Raum bekommen, Autos dafür weniger.(Foto: Visualisierung: Gehl Architects)

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